Dalić: Diese WM war alles – nur keine Fußball-WM
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Kroatiens Nationaltrainer Zlatko Dalić war zu Gast in der HRT-Sendung Americana. Dalić führte Kroatien bei der vergangenen Weltmeisterschaft, bei der die Nationalmannschaft im Achtelfinale gegen Portugal ausschied. Mit dem Ende des Turniers lief auch sein Vertrag mit dem Kroatischen Fußballverband aus. Er erklärte, dass er erst nach dem morgigen Treffen mit Verbandspräsident Marijan Kustić entscheiden werde, ob er seinen Vertrag verlängert. Dafür hatte er heute klare Worte zur FIFA bereit.
„Schauen Sie sich nur an, welche Fouls an Ante Budimir gegen Portugal nicht gepfiffen wurden. Nikola Vlašić hat keinen Elfmeter verursacht – er hat den Gegenspieler lediglich mit den Armen abgeschirmt. Das war niemals ausreichend für einen Strafstoß.
Ich bin überzeugt, dass man sich dieselbe Szene auf der anderen Seite nicht einmal angesehen hätte. Diese Geschichte begleitet Kroatien seit Jahren, und ich spreche sie immer wieder an.
Kroatien hat bei der FIFA einen schwachen Status. Viele Entscheidungen bestätigen das. Ich war der einzige Nationaltrainer weltweit, der bei der FIFA-Wahl nicht abgestimmt hat – aus Protest.
Wir stören sie. Zweimal haben wir ihnen die große Show verdorben. Beim dritten Mal ließ man uns gar nicht erst in die Nähe eines weiteren Erfolgs.
Diese Weltmeisterschaft war alles – nur keine Fußball-Weltmeisterschaft. Sie war ein großes Geschäft. Das zerstört den Fußball.“
Über Kritik und das Ausscheiden in den Schlussminuten
„Ich bin Kritik ausgesetzt und bereit, sie zu akzeptieren. Für manche bin ich ein Ahnungsloser oder ein Glückspilz – jeder hat das Recht, mich zu kritisieren. Ich muss sowohl Kritik als auch Lob annehmen. Was ich jedoch nicht akzeptieren kann, ist, dass für mich andere Maßstäbe gelten.
Ich habe meine eigenen Werte, zu denen ich offen stehe und die ich lebe. Diese Werte dürfen aber nicht darüber entscheiden, ob ich ein guter oder schlechter Nationaltrainer bin. Das stört mich sehr. Ich möchte nur das Beste für Kroatien. Wir haben hervorragende Spieler.
Ohne Tränen gibt es keinen Erfolg. Das haben wir schon bei früheren Generationen erlebt. Man muss Leid durchstehen, um Erfolge zu erreichen. Bessere Zeiten kommen. Schon in Katar habe ich gesagt, dass wir eine Medaille ohne Tränen und Schweiß gewonnen haben – und das ist nicht gut.“
Über seine Zukunft als Nationaltrainer
„Mein Vertrag ist ausgelaufen – nach neun Jahren als Nationaltrainer. Es war für mich eine große Ehre und ein großer Stolz. Der Job war stressig. Ich war ständig Kritik ausgesetzt. Morgen treffe ich mich mit dem Verbandspräsidenten. Ich danke allen für das Vertrauen. Dann werden wir sehen, wie es weitergeht. Es ist nicht so, dass ich nicht bleiben möchte. Ich muss jedoch einige Dinge klären und die Entscheidung gemeinsam mit meiner Familie treffen.“
Über die Stimmung in der Mannschaft
„Wir haben Medaillen gewonnen und Geschichte geschrieben. Medaillen sind wichtig, aber noch wichtiger ist mir der Respekt meiner Spieler.
Joško Gvardiol gehört zu den besten Innenverteidigern der Welt. Er saß auf der Bank und sagte mir, dass er alles tun werde, was ich von ihm verlange.
Ivan Perišić spielt nicht gern als linker Verteidiger, sagte aber ebenfalls, dass er jede Position übernehmen werde, die ich ihm gebe.
Wir waren 40 Tage zusammen unterwegs und hatten kein einziges Problem. Besonders schwer war es für jene Spieler, die keine einzige Minute gespielt haben. Ich danke ihnen für ihre Geduld und ihren Einsatz im Training.“
Über das Spielsystem
„Ich werde keine einzige Minute mehr mit einer Dreierkette verschwenden. Ich bin wütend auf mich selbst, weil ich meine eigenen Prinzipien verraten habe.
Ich hätte so spielen sollen, wie ich es für richtig halte – und notfalls mit dieser Idee untergehen. Ich habe mit dieser Formation nur Zeit verloren. Das werde ich nie wieder tun.
Es ging mir nicht darum, Luka Vušković zu fördern. Er ist zweifellos die Zukunft des kroatischen Fußballs. Der Grund war vielmehr unser Spielermaterial. Ich hatte einfach keine zwei linken Außenverteidiger auf Weltklasse-Niveau.
Auch über unsere Stürmer wurde viel diskutiert. Petar Musa und Igor Matanović haben großes Potenzial gezeigt. Ich würde an meiner Kaderauswahl nichts ändern.“
Über Kritik an der Nationalmannschaft
„Niemand hat das Recht, diese Nationalmannschaft zu kritisieren. Sie hat den Menschen so viele glückliche Momente geschenkt.
Wir selbst sind schuld, weil wir die Erwartungen so hoch gesetzt haben. Schauen Sie sich Brasilien an. Im Fußball gewinnt man manchmal – und manchmal verliert man. Nach drei erfolgreichen Weltmeisterschaften in Folge war es ohnehin extrem schwer, erneut Großes zu erreichen.“
Was er bereut
„Ich bedaure, dass ich mich mit einigen Spielern überworfen habe. Das war für meine Autorität gar nicht notwendig. Darauf bin ich nicht stolz.
Und ich bedaure, dass wir die Nations League nicht gewonnen haben. Das wäre die Krönung meiner Trainerkarriere gewesen.“
Über ältere und jüngere Spieler
„Kroatien braucht die erfahrenen Spieler weiterhin. Solange sie Qualität und Form besitzen, müssen sie für die Nationalmannschaft spielen.
Ivan Perišić ist ein Phänomen. Nach seiner schweren Verletzung ist er auf höchstem Niveau zurückgekehrt. Er arbeitet rund um die Uhr und lebt für den Fußball.
Als er im Verein wenig spielte, hat ihm die Nationalmannschaft geholfen – und er hat es ihr zurückgezahlt.
Gleichzeitig rücken junge Spieler wie Petar Sučić oder Martin Baturina nach. Wir haben hervorragende Talente, die genau wissen, was die Kultur und die Bedeutung der kroatischen Nationalmannschaft ausmachen.“
Über mögliche Nachfolger
„Ich bin mit meinem Trainerstab sehr zufrieden. Es war mein Ziel, ehemalige kroatische Nationalspieler einzubinden, die inzwischen Trainer geworden sind. Ich denke, einige von ihnen könnten eines Tages meine Nachfolger werden.“


