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Vater von Premier Milanovic soll Journalist mit dem Tode gedroht haben

Der kroatische Premier Zoran Milanovic muss sich vor dem Wahlkampf und inmitten der Flüchtlingskrise mit einem Skandal um seinen Vater auseinandersetzen. Zoran Milanovics Vater Stipe Milanovic soll dem Journalisten Velimir Bujanec mit dem Tode gedroht haben. Was zunächst lediglich nach einer emotionalen Eskalation zwischen verfeindeten politischen Lagern aussieht, lässt tief in die korrumpierte politisch-wirtschaftliche Szene Kroatiens blicken. Dreh und Angelpunkt des Vorfalls ist eine Sendung von Bujanec in der Gordan Malic zu Gast war und die am 14.09.2015 ausgestrahlt wurde. Thema war der Bruder von Premier Zoran Milanovic, Kresimir Milanovic und dass der Premier zu Gunsten des Bruders politisch aktiv wird.

Todesdrohungen im Cafe

„Ich sagte Kresimir, dass man dich und Malic zu Tode prügeln sollte“, habe Milanovics Vater Bujanec angedroht. Kresimir ist der zweite Sohn und Bruder des kroatischen Premiers Zoran Milanovic. Der Streit soll sich, nach Angaben von Bujanec am Samstag gegen Mittag im Zentrum von Zagreb in einem Cafe ereignet haben. Der Journalist veröffentlichte den Vorfall auf seinem Facebook-Profil mit einem Bild von Stipe Milanovic, der an der Seite des kroatischen Ex-Präsidenten Stjepan Mesic steht. Eine Andeutung über die politische Zugehörigkeit von Stipe Milanovic. Bujanec zählt sich selbst zur konservativen Rechten, während Mesic und Milanovic als Überbleibsel der Partisanen-Generation und damit zur Linken gezählt werden können.

STIPE MILANOVIĆ: „Rekao sam Kreši da tebe i Malića treba dati prebiti na mrtvo…“

Ovo mi je danas oko podneva, pred…

Posted by Velimir Bujanec on Saturday, October 3, 2015

 

Bujanec beschreibt die Situation, die sich im Zentrum von Zagreb in einem Cafe abgespielt haben soll, wie folgt. Demnach kam Stipe Milanovic auf Bujanec zugelaufen und habe sich zunächst vorgestellt, wonach die Stimmung schnell kippte. „Ich heiße Stipe… du kennst mich nicht, aber du weißt alles über mich. Ich bin Stipe Milanovic, über meine Söhne erzählst du Schwachsinn in deinen TV-Sendungen.“. Bujanec schreibt, dass er seine Arbeit verteidigt habe und Stipe Milanovic entgegnete, dass nicht er, sondern seine Söhne Schwachsinn verbreiten. Dann soll laut Bujanec die Situation eskaliert sein. „Ich habe meinem Sohn Kreso gesagt, dass man dich und Malic zu Tode prügeln lassen sollte, aber er hat mir gesagt, dass jetzt kein guter Zeitpunkt ist, da es sich um Medienleute handelt und das für Aufsehen sorgt. … Wenn wir die Wahlen gewinnen, nehmen wir dir die Sendung weg, dann wirst du nicht mehr im TV sein!“ Bujanec entgegnete: „Wenn ihr die Wahlen verliert, landen deine Söhne im Knast.“ Soweit der Streit im Cafe.

Polizist ersucht von Bujanec „Geheimhaltung der Aussage“

Bujanec soll sich noch am gleichen Tag gegen 18 Uhr, nach Konsultierung mi seinem Anwalt, entschlossen haben zur Polizei zu gehen. Für die schien der Vorfall eine heikle Angelegenheit zu sein, glaubt man den Ausführungen von Bujanec. Demnach wurde er von mehrere Polizeistation abgewiesen – aus Gründen des Personalmangels, weswegen man sein Anliegen nicht zu Protokoll führen konnte, oder wollte. Schlussendlich landete er in der Polizeistation beim Strossmayer Platz in Zagreb. Seinen Andeutungen nach, wurde der Polizist, der seinen Fall vor Ort aufnahm, auffällig häufig von Telefonaten unterbrochen. Ein Zeichen für ihn, dass von Seitens der Politik interveniert wurde. Der Polizist habe von ihm verlangt ein Dokument zu unterschreiben, mit dem er sich verpflichten würde den Vorfall als geheim zu handhaben, was er verweigerte. Der Polizist habe sich danach mit seinen „Vorgesetzten telefonisch konsultieren“ müssen. Der Beamte habe das Dokument mit dem Vermerk „ABGELEHNT ZU UNTERSCHREIBEN“ dennoch in die Unterlagen aufgenommen. Soweit der Weg über die Behörden. Hier könnte die Geschichte aufhören, wenn es ein normaler Fall gewesen wäre. Aber wer unterzeichnet schon ein Geheimhaltungsprotokoll, wenn einem mit dem Tode gedroht wird, und derjenige auch noch der Vater des amtierenden Premiers ist?

Bujanec flüchtet in die Öffentlichkeit

Bujanec schreibt, dass er nach diesem Vorfall entschieden habe an die Öffentlichkeit zu gehen – aus Angst. „Im Falle, dass Gordan Malic und mir etwas zustößt, soll man wissen, woher der Wind weht…“, schrieb Bujanec auf seinem Facebook-Profil. Am Montag wird, nach Angabe von Bujanec, auch sein Anwalt Vladimir Teresak offiziell Anzeige erstatten. Bujanec gehörte in seiner Jugend zur extrem rechten Gruppierung in Kroatien und ist als Person umstritten. In der Vergangenheit sympathisierte er häufig mit dem Ustasa-Regime und kollidiert deswegen regelmäßig mit der Linken in seiner redaktionellen Tätigkeit. Inwieweit er sich inzwischen von seiner Vergangenheit distanziert, ist objektiv nicht mit Sicherheit zu beantworten.

Der Fall von Ex-Finanzminister Slavko Linic: Mafijöse Strukturen in der Familie Milanovic?

Der ehemalige Finanzminister Slavko Linic wurde am 7 Juni 2014 mit 50 gegen 47 Stimmen aus seinem Amt entlassen. Der offizielle Grund: Unstimmigkeiten zwischen ihm und der SDP-Führung. Linic hat in den Medien und im Parlament Premier Zoran Milanovic und Innenminister Ranko Ostojic vorgeworfen ihn illegal abgehört zu haben, darunter auch Familienangehörige. Diese Eskalation innerhalb der SDP zieht einen Rattenschwanz hinter sich. Medienberichten nach hat der Vorfall seinen Ursprung in einem internen Machtspiel innerhalb Milanovics Partei SDP. Dabei kam es so weit, dass Linic, damals noch in seinem Amt als Finanzminister, Kresimir Milanovics Tätigkeiten unter die Lupe nehmen wollte. Danach soll Zoran Milanovic, um seinen Bruder vor Linics Druckmitteln zu schützen, Linic aus dem Amt geschmissen haben. Das Amt für Geldwäsche ermittelte daraufhin gegen Linic. Es soll einen anonymen Hinweise gegeben haben. Der Vorwurf: Er soll eine Tasche mit einer Millionen Dollar über die Grenze geschafft haben. Linic behauptet, dass er nicht in Erfahrung bringen konnte, von wem die Anschludigungen kamen. Für Linic ist klar, dass dies eine Maßnahme war, die ihn diskreditieren sollte, weil er Druck auf den Bruder des Premiers ausübte.

Der Fall von Ex-Umweltministerin Mirela Holy: Rauswurf wegen Kresimir Milanovic?

Um die Person Kresimir Milanovic gab es schon mal einen Rauswurf in der SDP. Damals traf es die Umweltministerin Mirela Holy, die inzwischen Mitglied einer neuen Partei (ORAH) ist. Dabei verband sie ihren Rauswurf im Jahr 2012 in einem Interview ebenfalls mit dem Bruder des Premiers. Als Hintergrund: Mirela Holy verließ ihr Amt, als eine E-Mail von ihr den Medien zugespielt wurde, in der sie Rene Valcic, den Chef der Kroatischen Bahn(Hrvatske zeljeznice), bittet eine Sekretärin nicht zu entlassen. Dabei handelte sich um die Ehefrau des SDP-Parteikollegen Goran Mazija, Heidi Mazija. Damals sagte Holy: „Ich mache das, was der Premier vorschlägt.“. 10 Minuten später gab sie ihren Rücktritt bekannt. Zoran Milanovic unternahm auch nichts weiter, um sie im Amt zu halten und bedankte sich einfach für ihre Arbeit. Holy blieb noch einige Monate in der Partei und verließ schließlich auch diese.

Am 21.06.2015 gibt Holy ein Interview in dem sie neue Tatsachen enthüllt. Demnach soll sich der E-Mail-Skandal nur einen Monat nach einem Zwischenfall mit dem Bruder ereignet haben. Sie beschreibt in dem Interview wie Zoran Milanovic 2012 an sie herantrat, um seinem Bruder einen Termin bei ihr zu verschaffen, der ein Interesse an bestimmten Umwelt-Projekten hatte. Sie beschreibt, wie sie es ablehnte seinen Projekten ein grünes Licht seitens ihres Ministeriums zu geben.

Öffentliche Projekte gehen an den Bruder des Premiers?

Der Verdacht dass Premier Milanovic seinem Bruder Projekte zuschiebt, die aus dem öffentlichen Haushalt finanziert werden, ist kein Einzelfall. So bekam Tibor Skala, ein Unternehmenspartner von Kresimir Milanovic, den Zuspruch für ein öffentliches Projekt im Wert von 1 Mio. Kuna bei dem es um die Ausstattung von Grundschulen ging. Die Leiterin des Projekts war die Ehefrau von Premier Zoran Milanovic. Dabei kam auch heraus, dass Skalas Unternehmen Videa der einzige Bewerber war. Skala gehört auch das Unternehmen TYC, die laut Medienberichten auch das Elektrofestival Ultra in Split organisieren. Kresimir Milanovic soll für das Unternehmen auch intensive Lobbyarbeit geleistet haben und im Hintergrund wahrscheinlich mitverdienen. Der Bericht zum Vorwurf beschreibt, wie Kresimir Milanovic nach Makarska gereist sei und den Bürgermeister bat einen kompletten Strand neu zu bauen, nur damit dort das Ultra-Festival ideale Bedingungen findet. Dafür hätte man das Meer mit Kieselstein auffüllen müssen. Dabei ging es um eine tiefe von 40 Metern und 250 Meter breite. Dafür hatte der Bürgermeister kein Verständnis. Es ist aber davon auszugehen, dass ordentlich Druck mit der Family-Connection gemacht wurde.

 

 

Die Sendung in der Bujanec den Fall Kresimir Milanovic mit Gordan Malic aufgreift, in voller Länge:

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